Kommunikation zwischen Apotheken und Arztpraxen
Titel: Erfassung der Kommunikation zwischen Apotheken und Arztpraxen
Projektbeteiligte: Dr. rer. med. Anne Schrimpf, Dr. rer. nat. Annett Bräsigk, Paul Boack, Prof. Dr. med. Markus Bleckwenn, Sophie Karl, Franka Uhlendorff
Institution: Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig
Laufzeit: 2023–2025
Projektbeschreibung:

Projektdesign:
Das dreistufige Projekt untersucht die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Apotheken und hausärztlichen Praxen. Das Studiendesign umfasste drei aufeinanderfolgende Studienphasen: eine Leipziger Pilotstudie („Flashmob-Studie“) mit Apotheken, eine sachsenweite Befragung von Apotheken und Hausarztpraxen sowie abschließend qualitative Fokusgruppen.
Hintergrund:
Eine funktionierende Kommunikation zwischen Apotheken und Arztpraxen ist essentiell für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung. Vor dem Hintergrund sich verändernder Rahmenbedingungen wie der Einführung des E‑Rezepts, Lieferengpässe und pharmazeutischer Dienstleistungen (pDL) besteht Abstimmungsbedarf zwischen den Berufsgruppen. Bislang lagen hierzu nur begrenzte empirische Daten für Sachsen vor. Ziel ist es, sowohl den Status quo der Zusammenarbeit als auch Entwicklungspotenziale systematisch zu erfassen.
Methoden:
Im Rahmen der Flashmob-Studie (Phase I) dokumentierten Apotheken aus dem Leipziger Raum über einen Zeitraum von 14 Tagen im November 2023 mittels eines standardisierten Dokumentationsbogens alle verordnungsbezogenen Kontakte mit Arztpraxen. Die Daten umfassten: Kontaktgründe, Kommunikationskanäle, Anzahl der Kontaktversuche, Outcome- und Zufriedenheitsbewertungen sowie die Bearbeitungsdauer.
Die sachsenweite Online-Befragung (Phase II) wurde im Sommer 2024 mit zwei inhaltlich vergleichbaren Fragebögen für Apotheken und Hausarztpraxen mithilfe des Systems REDCap durchgeführt. Erfasst wurden u.a. Aspekte der Zusammenarbeit und der beruflichen Beziehung, Kompetenzzuschreibungen, Optimierungswünsche sowie Einschätzungen zu aktuellen Themen wie E-Rezept, Lieferengpässe und pDLs.
Abschließend folgten vier Fokusgruppen mit Apotheken und Hausarztpraxen (Phase III) sowohl getrennt als auch gemischt. Auf Grundlage der Ergebnisse der Vorstudien wurde mittels semistrukturierten Leitfadens die aktuelle Zusammenarbeit sowie deren Stärken und Herausforderungen diskutiert. Die Fokusgruppen fanden zwischen Ende 2024 und Anfang 2025 statt.
Ergebnisse:
Ergebnisse der bereits publizierten Flashmob-Studie weisen darauf hin, dass die Kontaktaufnahme durch Apotheken vor allem durch Lieferengpässe sowie formale oder inhaltliche Verschreibungsprobleme geprägt ist. Während die Kontaktzufriedenheit insgesamt hoch ist, nimmt diese mit der Anzahl der Kontaktversuche, Nichtbefolgung der Apothekenempfehlungen der Apotheker sowie Kontakten aufgrund formaler Verschreibungsfehler ab. Fälle konnten schneller gelöst werden, wenn wenige Kontaktversuche erforderlich waren und die Kommunikation mit Hausarztpraxen erfolgte.
Die bisherigen Ergebnisse der anderen Studienphasen zeigen unterschiedliche Wahrnehmungen der Zusammenarbeit. Hausarztpraxen bewerten Erreichbarkeit, Zusammenarbeit und Informationsaustausch tendenziell positiver als Apotheken. Insbesondere Apotheken sehen Defizite in der gegenseitigen Wertschätzung, Kommunikation auf Augenhöhe und im Verständnis der jeweiligen Arbeitsweisen. PDLs werden von Apotheken überwiegend positiv, von Hausarztpraxen dagegen hinsichtlich Nutzen und Entlastungspotenzial kritischer bewertet.
Schlussfolgerung für die Praxis:
Die Ergebnisse verdeutlichen einen strukturierten Verbesserungsbedarf der interprofessionellen Kommunikation. Klare Zuständigkeiten, verbesserte logistisch-organisatorische Abläufe und weiterer Ausbau der Verordnungsqualität sind wesentliche Determinanten. Insbesondere auch ein frühzeitiger, gemeinsamer Austausch zu Schnittstellenthemen (beispielsweise pDLs) könnte das gegenseitige Verständnis fördern und zu mehr Wertschätzung und Akzeptanz zwischen den Berufsgruppen beitragen.
Bei Fragen oder weitergehendem Interesse nehmen Sie gerne Kontakt auf:
- Paul Boack, Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig, paul.boackmedizin.uni-leipzigde
Zum Download:
Boack P, Braesigk A, Uhlendorff F, Karl S, Bleckwenn M, Schrimpf A. Reasons and Outcomes of Pharmacy-Initiated Communication with Medical Practices—A Flashmob Study in Germany. Healthcare. 2026; 14(12):1602. https://doi.org/10.3390/healthcare14121602