Aktuelle Förderprojekte – 2025 und 2026
Hier stellen wir die Projekte vor, die von der Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung e. V. (FI) in den Jahren 2025 und 2026 gefördert werden und wurden.
„Auf Herz und Nieren geprüft“ ein Früherkennungs-Service in der Apotheke

Mit dem Früherkennungs-Service „Auf Herz und Nieren geprüft“ soll in der Apotheke frühzeitig erkannt werden, ob Menschen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Dazu werden wichtige Gesundheitswerte wie Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Nierenfunktion erfasst und bei auffälligen Befunden eine ärztliche Abklärung empfohlen. Ziel des Projekts ist es, die Machbarkeit dieser Leistung in Apotheken sowie ihre Akzeptanz bei Patient*innen zu untersuchen.
Förderprojekte im Überblick vor 2026
Im Folgenden finden Sie die Projekte, die die Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung e. V. (FI) in den Jahren 2025 und 2026 gefördert hat.
Etablierung der pDL Inhalationstechnik bei Pflegebedürftigen

Ziel des Projekts war es, die pharmazeutische Dienstleistung „Standardisierte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung mit Üben der Inhalationstechnik“ nachhaltig bei Patientinnen und Patienten in der häuslichen Pflege und Bewohnerinnen und Bewohnern von Altenheimen zu etablieren.
pDL - Barrieren und Lösungen bei der Implementierung

Seit 2022 können Apotheken in Deutschland pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) anbieten – doch die Umsetzung, insbesondere bei Medikationsanalysen, kommt nur langsam voran. Das Projekt untersucht per Interviews und Beobachtungen, welche Faktoren die Implementierung fördern oder behindern und zeigt zugleich: Patientinnen und Patienten profitieren deutlich und sind sehr zufrieden, während Apothekerinnen und Apotheker ihre Leistung oft unterschätzen.
pDL Medikationsberatung bei onkologischen Patient*innen
Das Projekt untersucht die pharmazeutische Betreuung von Patient*innen unter oraler Antitumortherapie sowie anonyme Interaktionschecks vor intravenösen Chemotherapien. Die Ergebnisse zeigen, dass pDL kaum bekannt ist, aber nach dem Erstgespräch die Therapiesicherheit deutlich steigt – mit einem späteren leichten Rückgang. Bei allen Patient*innen wurden arzneimittelbezogene Probleme identifiziert, die größtenteils direkt in der Apotheke gelöst werden konnten, während die anonymen Interaktionschecks weniger effektiv ausfielen. Insgesamt verdeutlicht das Projekt den hohen Nutzen persönlicher pharmazeutischer Beratung in der Onkologie.
Die eML: Verbreitung und Vollständigkeit

Das Projekt untersucht in einer öffentlichen Apotheke anhand von ca. 300 zufällig ausgewählten Patient*innen, wie verbreitet und vollständig die elektronische Medikationsliste (eML) in der ePA im Vergleich zur lokal gepflegten Patientendatei ist. Im Fokus standen dabei relevante Lücken (z. B. Muster-16-Verordnungen wie BTM und Selbstmedikation), die bislang nicht vollständig in der eML abgebildet werden. Ziel war es, Beratung und AMTS-Prüfung sicherer zu machen und Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung von eML/ePA zu liefern.
Prozesse und Rahmenbedingungen bei der elektronischen Rezeptbelieferung – Niederlande im Vergleich zu Deutschland

Die Abgabe von verordneten Arzneimitteln ist zwar die Hauptaufgabe öffentlicher Apotheken, es gibt aber bislang keine umfassende Darstellung des gesamten Abgabeprozesses und seines Beitrags zur Medikationssicherheit. Ziel des Projekts war daher die Entwicklung eines generischen Modells, das alle relevanten Prozessschritte bei der Belieferung elektronischer Verordnungen sowie deren Beitrag zur Sicherheit und die dazugehörigen Barrieren und Förderfaktoren abzubilden. Dafür wurden Literaturrecherchen, Beobachtungen in zwei niederländischen Apotheken und Interviews genutzt. Das Modell wurden anschließend über Expertengruppen (NL und DE) validiert und auf Übertragbarkeit geprüft.
EEPAMA: pDL Medikationsberatung – Erwartungen der Patient*innen

Die multizentrische Befragung in drei Apotheken untersuchte Einstellungen und Erwartungen von Patient*innen an die pDL Medikationsberatung bei Polymedikation, ohne das Teilnehmerfeld vorzuselektieren. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Kund*innen sich bereits zu Arzneimitteln beraten lassen, aber nur etwa jede*r Fünfte die erweiterte Medikationsberatung kannte. Teilnahmemotivation entsteht vor allem durch Empfehlungen von Heilberufler*innen und den wahrgenommenen persönlichen Nutzen, während Kund*innen sich von der Beratung insbesondere mehr Sicherheit, weniger Probleme und mehr Wissen erhoffen. Der Bekanntheitsgrad beeinflusst die erwarteten Nutzen nicht, war aber bei älteren und bereits beratungsaffinen Personen höher.
Medikationsmanagement bei Palliativpatienten

STOPPFrail‑Deutsch ist das erste validierte deutschsprachige Deprescribing‑Tool für die Palliativversorgung. Es stellt eine praxisnahe Entscheidungshilfe dar und kann Ärzt:innen und Apotheker:innen bei Deprescribing‑Entscheidungen unterstützen, ohne die individuelle klinische Beurteilung zu ersetzen.
CAPAA-Projekt: Öffentliche Apotheken an der Schnittstelle zur Pflege
Das Projekt untersucht die Informations‑ und Unterstützungsbedarfe von ambulanten Pflegediensten sowie pflegenden An‑ und Zugehörigen im Umgang mit arzneimittelbezogenen Pflegeleistungen. In Fokusgruppen und Interviews wurden vielfältige Herausforderungen nach Krankenhausentlassung und in der Langzeitversorgung identifiziert – insbesondere Informationslücken, komplexe Medikationsprozesse und Kommunikationsprobleme mit Apotheken und Arztpraxen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass öffentliche Apotheken großes Potenzial zur Unterstützung haben, jedoch oft nicht aktiv eingebunden werden. Daraus wurden konkrete Optimierungsansätze wie strukturierte Zusammenarbeit, Schulungen und gemeinsame Interventionsangebote abgeleitet.
WIVA-Index – Was bringt die pDL zum Fliegen?
Die Präsentation zeigt Ergebnisse des WIVA‑Index aus fünf Erhebungswellen in Westfalen‑Lippe und beschreibt die Implementierung pharmazeutischer Dienstleistungen (pDL) in öffentlichen Apotheken. Insgesamt ist die Versorgungssituation stabil, jedoch heben die pDL noch nicht wirklich ab – insbesondere die regelmäßige Durchführung ist bislang wenig etabliert. Einflussfaktoren wie hohe Arbeitsbelastung, Führungsverhalten der Apothekenleitung und Arbeitszufriedenheit wirken deutlich auf die Implementierung. Trotz Herausforderungen bleibt die Einstellung der Befragten optimistisch, sodass langfristig eine zunehmende Etablierung der pDL erwartet wird.
Implementierung der pDL
Die Präsentation zeigt, wie die pharmazeutischen Dienstleistungen erfolgreich in einen Apothekenverbund integriert wurden – von internen Schulungen über strukturierte Prozesse bis hin zu messbaren Effekten für Mitarbeitende, Patient*innen und Pflegeeinrichtungen. Die Ergebnisse belegen deutliche Verbesserungen in der Arzneimitteltherapiesicherheit und hohe Zufriedenheit aller Beteiligten. Damit wird klar: pDL schaffen echten Mehrwert und stärken die interprofessionelle Versorgung.
Kommunikation zwischen Apotheken und Arztpraxen
Das Projekt zur Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Arztpraxen bestand aus einer Flashmob‑Studie, einer Online-Befragung und Fokusgruppen-Interviews. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kooperation grundsätzlich positiv wahrgenommen wird, jedoch vor allem Lieferengpässe, Rezeptfehler und schwierige Erreichbarkeit zu häufigen Rücksprachen führen. Die Flashmob-Daten belegen eine hohe Kontaktfrequenz, überwiegend telefonisch, mit meist angenehmen und lösungsorientierten Interaktionen. Insgesamt wird deutlich, dass eine stärkere Formalisierung und klare Prozesse die Zusammenarbeit erleichtern und den Aufwand für beide Berufsgruppen reduzieren könnten.