pDL Medikationsanalyse: Erwartungen der Patient*innen

Titel: Einstellung und Erwartungen von Patient:innen an Medikationsanalysen in öffentlichen Apotheken – eine Querschnittsbefragung (EEPAMA)

Projektbeteiligte: 

Projektleitung Braunlage: Dr. Anja Braem
Mitarbeitende: Annika Wiegand

Projektleitung: Prof. Dr. sc. hum. Hanna Seidling
Mitarbeitende: Dr. sc. hum. Viktoria Wurmbach, Cathrin Vogt

Institutionen: 

Post-Apotheke, Marktstraße 5, 38700 Braunlage

Universitätsklinikum Heidelberg, Innere Medizin IX – Abteilung für Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Kooperationseinheit Klinische Pharmazie, Im Neuenheimer Feld 410, 69120 Heidelberg

Laufzeit: 2023–2025

Projektbeschreibung:

Projektdesign:

Vollbefragung (Teilprojekt 1), Expertenworkshops (Teilprojekt 2)

Hintergrund:

Zwar werden pharmazeutische Dienstleistungen (pDLs) zunehmend in Apotheken in Anspruch genommen, jedoch gibt es weiterhin Schwierigkeiten bei deren flächendeckenden Implementierung. Obwohl Apothekenkund*innen als Leistungsempfänger*innen eine Schlüsselfigur für den Erfolg der Implementierung spielen könnten, waren sie bisher kaum Forschungsgegenstand. Daher war es ein Ziel, die Einstellungen und Erwartungen von Apothekenkund*innen gegenüber pDLs am Beispiel der „erweiterten Medikationsberatung“ herauszufinden. Zudem sollte der breitere Implementierungskontext der pDLs in Deutschland untersucht werden, um aktuelle Barrieren zu identifizieren und neue Strategien zu deren Überwindung zu entwickeln.

Methoden:

In drei Apotheken wurde eine fragebogenbasierte Vollbefragung von Kund*innen durchgeführt, um ihre Einstellung und Erwartungen bezüglich einer möglichen Teilnahme an einer Medikationsberatung zu erfragen. Dazu wurden auch Kund*innen eingeladen, die noch nicht anspruchsberechtigt waren, aber potenziell in Zukunft von dem Angebot profitieren könnten.

Anschließend wurden Implementierungsbarrieren für pDLs, die bereits in der internationalen Literatur bekannt sind, zusammengetragen. Diese wurden im November 2024 von den 30 Anwesenden in der Mitgliederversammlung nach den aktuell größten und am leichtesten überwindbaren Barrieren priorisiert. Für die sechs Barrieren, die von den Teilnehmenden als am leichtesten überwindbar eingestuft wurden, wurden Maßnahmen zu deren Überwindung entwickelt. Dies wurde vor Ort begonnen und in einem zweiten Online-Workshop (Mai 2025) konkretisiert.

Ergebnisse:

An der Befragung nahmen 1561 Kund*innen teil, wobei weniger als ein Fünftel (18 %, n = 281) die pDL bereits kannte. Von einer Teilnahme erwarteten sie, mehr über ihre Arzneimittel zu erfahren und weniger Probleme, wie Wechselwirkungen oder Nebenwirkungen zu haben, was sich mit dem Zweck einer Medikationsberatung deckt. Besonders das Wissen um persönliche Vorteile sowie die Empfehlung von Ärzt*innen und Apotheker*innen würde sie motivieren teilzunehmen. Zur Ansprache bevorzugten sie vor allem den persönlichen Kontakt in der Apotheke (78,9 %, n = 345/437).

In den Workshops ergab sich, dass die aktuell größten Hürden z. B. auf fehlende Zeit- und Personalressourcen und ausbaufähige interprofessionelle Zusammenarbeit zurückgehen, während überwindbare z. B. ein fehlender Erfahrungsaustausch sowie mangelnder Bekanntheitsgrad der pDLs waren. Sieben konkrete Maßnahmen wurden vorgeschlagen: Zunächst schnell umsetzbare pDLs priorisieren, Erfahrungsaustausch fördern, indem bestehende Kongressangebote genutzt, ein Apotheken-Netzwerk aufgebaut und ein Online-Forum geschaffen wird. Zudem sollten (lokale) Patientenorganisationen mehr einbezogen und der digitale Informationsaustausch gefördert werden.

Schlussfolgerung für die Praxis:

Die Befragung zur pDL-Medikationsberatung legt nahe, dass die Bekanntheit von pDLs ausgeweitet werden sollte. Kund*innen bevorzugen eine individuelle Ansprache, in der der für sie zu erwartende Nutzen hervorgehoben wird. In den Expertenworkshops konnten Stellschrauben identifiziert werden, aus denen neue Ansätze hervorgehen können, um die pDL-Implementierung voranzutreiben.

Bei Fragen oder weitergehendem Interesse nehmen Sie gerne Kontakt auf: 

  • A.braem@post-apotheke-braunlage.de

  • Hanna.Seidling@med.uni-heidelberg.de

Zum Download:

Poster

Veröffentlichung

  • Vogt, C.J., Wiegand, A., Trajkov, K., Metzner, M., Wurmbach, V.S., Braem, A., Seidling, H.M. Attitudes and expectations toward medication review among community pharmacy customers in Germany: a cross-sectional study. J Pharm Policy Pract. 2025;18(1):2490572. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40297770/

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