Die eML: Verbreitung und Vollständigkeit
Titel: Medikationsmanagement bei Palliativpatienten am Lebensende: „Screening Tool of Older Persons Prescriptions in Frail adults with limited life expectancy“ (STOPPFrail) zur Anwendung in der Palliativversorgung im deutschsprachigen Raum
Projektbeteiligte: Dr. Dorothee Michel, Dr. Dorothee Dartsch
Institution: Markt-Apotheke Eidelstedt
Laufzeit: 2025–2026
Projektbeschreibung:

Hintergrund:
Die elektronische Patientenakte (ePA) soll die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) verbessern. ePA werden seit 15.1.2025 durch die Krankenkassen angelegt, sofern Versicherte nicht widersprechen. Apothekenmitarbeiter*innen können durch Einlesen der Gesundheitskarte (eGK) auf die elektronische Medikationsliste (eML) zugreifen.
Die eML ist eine chronologische Liste aller elektronischen Verordnungen eines Versicherten. Papierverordnungen und OTC fehlen derzeit. Daher bilden die eML mancher Patient*innen nicht deren vollständige Medikation ab. Zudem können Patient*innen der ePA widersprechen bzw. den Zugriff sperren.
Dies setzt einer ausschließlich auf der eML basierten AMTS-Analyse Grenzen.
Zielsetzung:
Ermittlung des Anteils der Patient*innen mit sichtbarer eML sowie der Vollständigkeit der beiden Datensätze (eML und Kundensatz) im gegenseitigen Abgleich.
Methoden:
Randomisierte Erhebung einer Stichprobe aus allen Kassenvorgängen mit eGK für erwachsene Versicherte einer öffentlichen Apotheke über einen Monat. Der erforderliche Stichprobenumfang (für KI=95 % und α =5 %) betrug 319 Fälle mit beiden Datensätzen, wofür insgesamt 665 Vorgänge ausgewertet werden mussten. Die Daten zu Patient*innen, Verordnern, Verordnungen u.a. wurden manuell extrahiert. Die Auswertung erfolgte mit MS Excel.
Ergebnisse:
665 Kassenvorgänge wurden ausgewertet. Die Patient*innen waren im Schnitt 64±18 Jahre alt. Seit Einführung der ePA suchten sie durchschnittlich 3,2 Verordner auf (Spannweite 1-11), hatten bis zu 29 Arztkontakte in Verbindung mit einer e-Verordnung, und lösten ihre durchschnittlich 14,2 Verordnungen (max. 57) in durchschnittlich 2 (und max. 7) Apotheken ein. Die Patient*innen bekamen im Schnitt 7,3±4,8 (max. 31) verschiedene Arzneimittel verordnet. In 617 (92,8 %) Fällen war die eML sichtbar, 349 (52,5 %) hatten sowohl eine eML als auch einen Kundensatz. Der geplante Stichprobenumfang wurde somit erreicht. 69,5 % der Patient*innen hatten ≥5 verschiedene Arzneimittel.
Aus der Gruppe mit beiden Datenquellen waren 227 (65,0 %) eML sowie 242 (69,3 %) Kundensätze hinsichtlich Art der verordneten Wirkstoffe und Stärke vollständig. Bei 70,2 % der Patient*innen mit nach Verordnungen vollständiger eML waren zusätzlich AMTS-relevante OTC im Kundensatz gespeichert, so dass nur bei 68 (19,5 %) der Patient*innen die eML die vollständige Medikation abbildete.
Zusammenfassung:
Die eML ist eine wertvolle Datenquelle, die zum Überblick über die verordnete Medikation eines Patienten beiträgt.
In dieser Studie waren jedoch nur 65,0 % der eML vollständig in Bezug auf verordnete Arzneimittel. Da Papierverordnungen auch in fremden Apotheken eingelöst worden sein könnten, überschätzt dieser Wert den tatsächlichen Anteil vollständiger eML. Trotz eML bleiben weitere Informationen notwendig, um eine lückenlose Auflistung der Verordnungen sowie weiterer relevanter Arzneimittel zu erhalten.
Fazit:
Die Arzneimittelanamnese im Patientengespräch bleibt damit unverzichtbar für die AMTS.