Medikationsmanagement bei Palliativpatienten
Titel: Deprescribing: „Screening Tool of Older Persons Prescriptions in Frail adults with limited life expectancy“ (STOPPFrail) zur Anwendung in der Palliativversorgung im deutschsprachigen Raum
Projektbeteiligte: PD Dr. Constanze Rémi, Sara Michiel
Institution: Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum, LMU München, Deutschland
Laufzeit: 2021–2024
Projektbeschreibung:

Projektdesign:
Sequenzielle Mixed‑Methods‑Studie
Hintergrund:
Bei Palliativpatient*innen mit einer begrenzten Lebenserwartung ist es wichtig, kontinuierlich zu überprüfen, ob eine Medikation weiterhin notwendig ist und ob der/die Patient*innen innerhalb der geschätzten Lebenserwartung von der Therapie profitiert. Bisher stehen Fachkräften im deutschsprachigen Raum nur englischsprachige validierte Instrumente zur Unterstützung des Deprescribing-Prozesses bei Patient*innen zur Verfügung. Ziel dieser Studie war die Entwicklung einer kulturell angepassten Deutschen Version von STOPPFrail (Version 2) und Bestimmung der Interrater-Reliabilität (IRR).
Methoden:
Es wurde eine sequenzielle Mixed‑Methods‑Studie durchgeführt. Zunächst erfolgte eine (1) systematische Vorwärts‑ und Rückwärtsübersetzung des Originals vom Englischen ins Deutsche. Anschließend wurde (2) die vorläufige deutsche Version in einer qualitativen Interviewstudie mit Ärzt*innen und Apotheker*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hinsichtlich Verständlichkeit und Relevanz getestet und angepasst. (3) In einer Onlineumfrage identifizierten Ärzt*nnen und Apotheker*innen unabhängig voneinander potenziell zum Deprescribing geeignete Arzneistoffe an Fallvignetten mithilfe von STOPPFrail.
Ergebnisse:
Eine deutsche Übersetzung mit konzeptioneller und semantischer Übereinstimmung zum Original wurde erstellt. Es wurden vier Interviewrunden mit jeweils drei Teilnehmenden (n=12) durchgeführt. Einige aus dem Englischen übernommenen Fachbegriffe (z. B. Deprescribing) wurden als nicht selbsterklärend identifiziert und einige Arzneimittel als irrelevant bewertet (z. B. Theophyllin). Die Anpassungen verbesserten die Verständlichkeit sowie die Relevanz der vorläufigen Version. Die IRR der STOPPFrail-Kriterien ist mäßig, wobei in den meisten Verschreibungen eine Mehrheitsmeinung erzielt wurde.
Schlussfolgerung für die Praxis:
Die erste deutschsprachige Version von STOPPFrail kann Fachkräfte bei Deprescribing-Entscheidungen bei Palliativpatient*innen am Lebensende unterstützen und die Initiierung von Deprescribing-Prozessen im klinischen Alltag fördern.
Bei Fragen oder weitergehendem Interesse nehmen Sie gerne Kontakt auf:
- constanze.remi@med.uni-muenchen.de
sara.michiel@med.uni.muenchen.de