pDL Medikationsberatung bei onkologischen Patient*innen

Titel: Pharmazeutische Betreuung von onkologisch betreuten Patienten – Evaluation und Prävention von ABPs 

Projektbeteiligte: Silvia Wicha, Henrik Wehrmann

Institution: Antares-Apotheke Hohe Weide, Hamburg

Laufzeit: 12 Monate (2024–2025)

Projektbeschreibung:

Projektdesign:
In dieser Projektarbeit wurde zum einen die pharmazeutischen Dienstleistung (pDL) bei oraler Antitumortherapie (OAT) in der öffentlichen Apotheke anhand von Fragebögen evaluiert, sowie anonymisierter Interaktionsanalysen aus onkologischen Praxen durchgeführt und bewertet.
Die Datenerhebung zur Evaluation der pDL bei OAT erfolgte mittels Fragebögen zu drei Zeitpunkten (vor Beratung, nach Beratung, Follow-up nach 6 Monaten).
Die Datenerhebung der anonymisierten Interaktionschecks erfolgte anhand eines Berichts an die onkologische Praxis, sowie ein kurzes Antwortfax der Praxis zur durchführten Intervention.

Hintergrund:
Orale Antitumortherapien stellen hohe Anforderungen an Patient*innen hinsichtlich Einnahme, Nebenwirkungsmanagement und Interaktionen. Während strukturierte Betreuungsmodelle aus dem klinischen Setting bekannt sind, fehlen Daten zur Rolle der öffentlichen Apotheke. Ziel war die Evaluation des Nutzens der pDL hinsichtlich Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS), Prävention arzneimittelbezogener Probleme (ABPs) sowie die Bewertung des Beitrags pharmazeutischer Interaktionsanalysen im Praxisalltag.

Methoden:
Patient*innen wurden in der Apotheke rekrutiert. Die Intervention umfasste eine strukturierte Medikationsanalyse, Beratung zu Therapie, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie ein Folgegespräch. Drei standardisierte Fragebögen erfassten u. a. Befinden, Therapiesicherheit und Zufriedenheit.
Im zweiten Teil der Projektarbeit wurden anonymisierte Medikationspläne aus onkologischen Praxen analysiert. Die Bewertung erfolgte mithilfe etablierter Datenbanken (Medichek, Mediq) und Fachinformationen. Die Ergebnisse wurden strukturiert an die Praxen zurückgemeldet und durch Feedbackbögen ergänzt.

Ergebnisse:
15 Patient*innen wurden in die pDL bei OAT eingeschlossen. Es zeigte sich eine Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens sowie eine deutliche Zunahme der Therapiesicherheit nach der Beratung, mit leichtem Rückgang im Follow-up auf weiterhin erhöhtem Niveau. Einnahmeprobleme reduzierten sich (20 % auf 7 %). Nebenwirkungen nahmen im Verlauf zu, konnten jedoch besser eingeordnet werden. Die Patientenzufriedenheit war hoch (überwiegend Note 1–2), die Weiterempfehlungsrate lag bei 100 %.

Die anonymisierte Interaktionsanalysen aus den onkologischen Praxen zeigten, dass durch strukturierte pharmazeutische Prüfung potenziell klinisch relevante Wechselwirkungen identifiziert und adressiert werden konnten. Rückmeldungen der Praxen bestätigten den praktischen Nutzen dieser Dienstleistung zur Unterstützung der Therapieentscheidung und zur Erhöhung der AMTS, allerdings sind anonymisierte Interaktionschecks nicht ausreichend, um die AMTS vollständig zu erhöhen, da das wichtige Patient:innen Gespräch fehlt.

Schlussfolgerung für die Praxis:
Die pDL bei oraler Antitumortherapie verbessert AMTS, Therapiesicherheit und Patientenzufriedenheit. Ergänzend leisten strukturierte Interaktionsanalysen einen wichtigen Beitrag zur Identifikation arzneimittelbezogener Risiken im onkologischen Praxisalltag. Die öffentliche Apotheke stellt damit einen zentralen, niedrigschwelligen Partner in der interprofessionellen Versorgung dar.

Bei Fragen oder weitergehendem Interesse nehmen Sie gerne Kontakt auf: 

  • s.wicha@hamburg-apo.de