pDL - Barrieren und Lösungen bei der Implementierung

Titel: Implementierung der honorierten pharmazeutischen Dienstleistungen in öffentlichen Apotheken – Semistrukturierte Interviews mit Personal und Patient:innen inklusive Monitoring von Medikationsanalysen

Projektbeteiligte: Ann-Christin Krönert, Mag. pharm. Helene Dungl, Dipl.-Pharm. Roman Pratzka, Prof. Dr. Thilo Bertsche

Institution: Klinische Pharmazie Universität Leipzig

Laufzeit: 2024–2025

 

Projektbeschreibung:

Hintergrund:

Seit 2022 können in Deutschland fünf pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) von öffentlichen Apotheken angeboten werden. Um die drei pharmazeutischen Dienstleistungen mit Medikationsanalysen anbieten zu können, benötigen Apotheker*innen eine zusätzliche Schulung. Die Dienstleistungen haben für Patient*innen einen hohen Nutzen, dennoch geht ihre Implementierung in den Apotheken nur schleppend voran. Um Einflussfaktoren für ein positives Implementierungsergebnis zu untersuchen, wurden Mitarbeitende aus Apotheken mit pDL-Angebot befragt und die Durchführung der pDL Polymedikation beobachtet.

Methoden:

Im ersten Teil der Studie wurden Mitarbeitende zu ihrer Meinung zu pDL zu deren Einfluss auf ihren Arbeitsalltag befragt. Hierbei bewerteten Apothekenchefs, Mitarbeitende, die eine Schulung zur Durchführung von Medikationsanalysen absolviert haben, sowie Mitarbeitende ohne solche Schulungen, Fragen auf einer Likert-Skala (-5 (stimme garnicht zu) bis 5 (stimme voll zu)). Die drei Sichtweisen wurden miteinander verglichen.

Im zweiten Teil wurde die Durchführung der pDL Polymedikation in der Routine beobachtet und anschließend durchführende:r Mitarbeiter*in sowie Patient*in zur vorangegangenen Dienstleistung befragt.

Ergebnisse:

Mitarbeitende mit und ohne Schulung für Medikationsanalysen finden es gut, dass in ihrer Apotheke pDL angeboten werden (Median=5) und würden gern weitergehende Schulungen besuchen (Median=3). Apothekenchefs wünschen sich eine stärkere Steigerung des Angebotes (Median=5) als Mitarbeitende mit Schulung (Median=2,5; U=116,0; p=0,001). Außerdem sehen sie auf Seiten der Mitarbeitenden ohne Schulung eine geringere Arbeitsbelastung (Median=0) als die Mitarbeitenden selbst (Median=1; U=110,0; p=0,04).

Die Durchführung der pDL Polymedikation erfolgt meist als Typ 3 Medikationsanalyse mit getrennten Brown-Bag und Abschlussgesprächen, die zusammen durchschnittlich 117,5 Minuten dauern. 63 % der Patient*innen haben einen Bundeseinheitlichen Medikationsplan, der bei 83 % unvollständig ist. Es werden durchschnittlich 11 Medikamente eingenommen, in 47 % der Fälle liegen Abweichungen zur tatsächlichen Einnahme vor. Patient*innen bewerten ihre Zufriedenheit mit der pDL Polymedikation im Median mit 5 und im Anschluss nehmen etwa 40 % weitere pDL in Anspruch. Mitarbeitende bewerten ihre eigenen Leistungen geringfügig schlechter (Median=4).

Schlussfolgerung für die Praxis:

Der Nutzen der pDL Polymedikation für Patient*innen kann durch unsere Studie bestätigt werden. Es wurde gezeigt, dass in den von uns beobachteten Dienstleistungen Apotheker*innen ihre eigenen Leistungen im Vergleich zu den sehr zufrieden Patient*innen häufig unterschätzen. Darüber hinaus werden in vielen Fällen im Anschluss weitere Dienstleistungen in Anspruch genommen. Dies unterstreicht zum einen das Interesse der Patient*innen und zeigt zudem niederschwellige Möglichkeiten zur Steigerung des Angebotes. Lediglich die Dauer der pDL Polymedikation ist höher als kalkuliert. Diesbezüglich sollte eine stärkere Einbeziehung auch von PTA in die drei pDL mit Medikationsanalysen geprüft werden, da in unserer Studie ein hohes Schulungsinteresse von ungeschulten Mitarbeitenden nachgewiesen wurde.

Bei Fragen oder weitergehendem Interesse nehmen Sie gerne Kontakt auf: 

  • Ann-christin.kroenert@uni-leipzig.de
  • Thilo.bertsche@uni-leipzig.de

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