„Auf Herz und Nieren geprüft“ ein Früherkennungs-Service in der Apotheke
Titel: „Auf Herz und Nieren geprüft“ ein Früherkennungs-Service in der Apotheke
Projektbeteiligte: Dr. Dorothee Michel, Dr. Dorothee Dartsch
Institution: Markt-Apotheke Eidelstedt
Laufzeit: 2026–2027
Projektbeschreibung:

HINTERGRUND:
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind in Deutschland häufig, verringern die Anzahl der gesunden Lebensjahre und verursachen hohe Kosten im Gesundheitswesen: Die gesellschaftlichen Gesamtausgaben für direkte und indirekte Kosten kardiovaskulärer Erkrankungen belaufen sich in Deutschland auf 83,4 Mrd. € pro Jahr (OECD 2025).
Viele Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sind beeinflussbar. Eine frühzeitige Erkennung eines erhöhten Risikos ermöglicht den Betroffenen rechtzeitig gegenzusteuern, um das Auftreten und den Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie den Bedarf an Gesundheitsversorgung günstig zu beeinflussen.
Vor-Ort Apotheken werden täglich von vielen Menschen aufgesucht und bieten dank ihrer hochqualifizierten Teams ein ideales Setting für ein Screening auf metabolische Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen, gerade auch für Bevölkerungsgruppen mit eingeschränktem Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen und medizinischer Behandlung.
Bluthochdruck, hohes LDL, hoher BMI, hohe Blutzuckerwerte und beeinträchtigte Nierenfunktion erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (OECD 2025). Diese Faktoren sollen im Früherkennungs-Service „Auf Herz und Nieren geprüft“ in der Apotheke bestimmt werden. Patienten mit Werten außerhalb der jeweiligen evidenzbasierten Zielbereiche werden für weitere Diagnostik und ggf. Therapie an einen Hausarzt verwiesen.
Es scheint dringend geboten, so ein Screening zeitnah wissenschaftlich begleitet zu pilotieren und die daraus zu gewinnenden Erkenntnisse für die Gestaltung von neuen pharmazeutischen Dienstleistungen im Präventionsbereich zu nutzen.
METHODE:
Hybride, monozentrische Implementierungsstudie
Primäre Endpunkte:
Implementierung:
- Patientenakzeptanz und Zufriedenheit mit dem Früherkennungs-Service
- Akzeptabilität, Angemessenheit und Machbarkeit des Früherkennungs-Service aus Mitarbeitersicht
Klinisch:
- Prävalenz von mindestens einem metabolischen Risikofaktor (Blutdruck, HbA1c, LDL-Cholesterol, eGFR) außerhalb der empfohlenen Zielbereiche (gemäß nationalen Leitlinien) in einer Kohorte von Apothekenkunden
Sekundäre Endpunkte:
Populationsmittelwerte und Standardabweichung für die metabolischen Risikofaktoren (Blutdruck, HbA1c, LDL-Cholesterol, eGFR)
Subgruppenanalyse für Teilnehmende mit einem BMI ≥25
Zeitbedarf für die Durchführung des Früherkennungs-Service
Einschlusskriterien:
Erwachsene ab 18 Jahren, einwilligungsfähige Personen, Einwilligung in die Studienteilnahme nach ausführlicher Aufklärung sowie keine bekannte ischämische Herzerkrankung (KHK, MI, Schlaganfall, pAVK), Diabetes mellitus oder chronische Nierenerkrankung
Ausschlusskriterien:
Schwangerschaft, kognitive oder sprachliche Barrieren, die die Aufklärung und Einwilligung behindern.
Menschen, die die Apotheke besuchen und gemäß Ein- und Ausschlusskriterien an der Studie teilnehmen können, werden angesprochen und informiert. Ergeben sich keine Ausschlussgründe und willigen sie in die Teilnahme ein, wird ihnen im Beratungsraum der Apotheke kapillares Blut entnommen, ein Fragebogen zu Risikofaktoren wird unter Anleitung ausgefüllt, der Blutdruck wird dreifach gemessen, und Gewicht und Körpergröße werden bestimmt.
Im Blut werden die Parameter HbA1c, Serumkreatinin, Triglyceride, Gesamtcholesterol und HDL-Cholesterol bestimmt, LDL-Cholesterol wird nach der Friedewald Formel berechnet.
Die Teilnehmenden werden abschließend im selben Termin über ihre Ergebnisse informiert. Da hier nur Befunde erhoben, aber keine Diagnosen gestellt werden, werden Teilnehmende mit Werten außerhalb der Zielbereiche zum Zweck der Diagnostik und gegebenenfalls Therapie in die ärztliche Versorgung übergeleitet.
ZIELE:
Wir erhoffen uns Erkenntnisse über die Akzeptabilität, Angemessenheit und Machbarkeit aus Mitarbeitersicht sowie zur Akzeptabilität aus Patientensicht. Auch erste Erkenntnisse zum Zeitbedarf für die Durchführung und die Identifikation von Menschen mit bis dato unbekannten Risikofaktoren können beitragen, einen Früherkennungs-Service als bezahlte pharmazeutische Dienstleistung zu etablieren.